Kapselendoskopie des Dünndarms

Erstmalig 1996 ist es experimentell mit einer kleinen Kapsel gelungen, Bilder aus dem Dünndarm aufzuzeichnen und damit ein bis dahin endoskopisch nicht untersuchbares Organ sehr schonend ohne operatives Verfahren einzusehen. 

Durch die technische Weiterentwicklung kleinster Chips steht seit 2001 die Kapselendoskopie für die Diagnostik des Dünndarms nun im routinemäßigen Einsatz für ganz definierte Fragestellungen zur Verfügung. 

Der menschliche Dünndarm ist ca. 4 m lang und verfügt mit seinem hochspezifischen besonders verschlungenen Aufbau über eine ca. 150-200 m2 große Oberfläche, die zur Aufnahme von Nährstoffen dient.

Die Pill-Cam SB3 der Firma Medtronic ist eine 11*26 mm große Kapsel die, nachdem sie geschluckt wurde auf ihrem 6–8-stündigen Weg durch den Dünndarm mit einer winzigen Weitwinkelkamera über 60.000 Bilder generiert und kontinuierlich an ein am Gürtel getragenes Aufzeichnungsgerät sendet. Am Ende der Aufzeichnung wird mit diesen Bildern ein Video generiert, das am Folgetag vom Arzt ausgewertet werden kann. Die Kapsel ist ein Einmalprodukt und wird am Ende der Passage durch den Magen-Darm-Trakt auf natürlichem Weg ausgeschieden. 


Bei welchen Patienten sollte der Dünndarm durch eine Kapselendoskopie untersucht werden?

Jeder Dünndarmkapselendoskopie muß eine Oberbauchsonographie sowie eine Magen- und Dickdarmspiegelung vorausgegangen sein. Falls dabei keine hinreichende Erklärung der Beschwerden gefunden werden konnte, ist die Kapselendoskopie eine gute Ergänzung bei:

  • Verdacht auf eine Blutung im Dünndarm
  • Unklarer Eisenmangelanämie
  • Unklaren Durchfallerkrankungen um z.B. eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (M. Crohn) auszuschließen.
  • Unklaren abdominelle Beschwerden nach umfangreicher vorheriger Diagnostik
  • Tumorverdacht oder Ausschluss eines Dünndarmtumors bei familiären Polyposis Syndromen (FAP, Peutz-Jeghers-Syndrom und andere)

Wer übernimmt die Kosten für die Kapselendoskopie?

Die Untersuchung ist sehr zeitaufwendig, zudem ist die Videokapsel ein „Hightech“ Produkt, das nur für eine Untersuchung eingesetzt wird und danach weggeworfen wird. Daher liegen die Kosten einer solchen Untersuchung bei etwa 1.200 Euro.  

In der Regel werden die Kosten von den Privaten Kassen, nicht jedoch in jedem Fall von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Es sollte daher vor der Untersuchung die mögliche Kostenübernahme mit der Krankenkasse geklärt werden. 

Bei welchen Patienten kann es zu Problemen durch die Kapselendoskopie kommen?

Probleme können immer dann auftreten, wenn die Kapsel auf Grund einer Engstelle nicht mehr weitertransportiert werden kann. 
Mögliche Ursachen hierfür können Verwachsungen, Tumore, Dünndarmdivertikel, Entzündungen oder auch Narbenbildungen (z.B. nach zahlreichen Voroperationen) sein, die zu einer Verengung des Darmrohres führen. 

Allerdings ist damit dann aber auch das Problem erkannt und kann gezielt therapiert werden, nachdem die Kapsel mit einer Doppelballonenteroskopie geborgen wurde. 

Eine mögliche Schluckstörung wird bereits im Vorfeld durch die Magenspiegelung ausgeschlossen. Falls eine Magenentleerungsstörung vorliegt und die Kapsel nach einer Stunde immer noch im Magen verweilt, muß diese durch eine Magenspiegelung im Zwölffingerdarm platziert werden. 
Solange die Kapsel im Körper ist, darf keine MRT-Untersuchung erfolgen. 

Der Ablauf der Kapseluntersuchung

Welche Vorbereitung ist vor einer Kapselendoskopie notwendig?

Nur bei einer guten Sicht bei einem optimal gereinigten Dünndarm kann eine ausreichende Feinbeurteilung der Schleimhaut erfolgen. Hierzu muß ähnlich wie bei einer Dickdarmspiegelung eine Darmreinigung, die bereits wenige Tage vor der Untersuchung beginnt, erfolgen.
Eine Anleitung zum Ablauf der Vorbereitung kann hier heruntergeladen werden. 
Eine Schlafspritze ist bei der Kapselendoskopie nicht notwendig. 

 Was muß während der Untersuchung beachtet werden?

Die Kapsel wird mit einem Schluck Wasser geschluckt. Die korrekte Lage im Magen wird direkt nach dem Schlucken kontrolliert. Eine Stunde nach dem Schlucken wird die Lage im Dünndarm kontrolliert. Nur falls bis dahin die Kapsel den Magen noch nicht verlassen hat, ist eine Magenspiegelung mit Platzierung der Kapsel im Zwölffingerdarm notwendig. Ansonsten kann dann nach Absprache für wenige Stunden die Praxis verlassen werden. Nach 8 h erschöpft sich die Batterie und der Rekorder kann in der Praxis abgenommen werden. Letztendlich müssen Sie für den gesamten Ablauf der Untersuchung einen ganzen Tag einplanen.  

Welche Probleme können nach der Untersuchung auftreten?

Ein paar Stunden bis wenige Tage nach der Untersuchung wird die Kapsel mit dem Stuhlgang ausgeschieden. Eine Bergung ist nicht vorgesehen. Bis die Kapsel ausgeschieden ist darf keinesfalls eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden. Ebenso sollte auf Grund der fehlenden Datenlage bei Schwangeren keine Kapselendoskopie durchgeführt werden. Falls ein Herzschrittmacher oder ein Defibrillator implantiert sind muß vor der Kapselendoskopie mit dem betreuenden Kardiologen Rücksprache gehalten werden. 

Das Ergebnis der Kapselendoskopie wird dann wenige Tage nach der Untersuchung mit dem Patienten besprochen.